Rechtschreibunterricht nach Norbert Sommer-Stumpenhorst an der Westerheideschule
Das Erlernen des Schreibens, Lesens und insbesondere der Rechtschreibung ist kein quantitativer, sondern ein qualitativer Prozess, das heißt: die Kinder lernen vom Einfachen zum Schwierigen und nicht Wort für Wort. Dies entspricht dem Sprachlernprozess der Kleinkinder. Sagt ein kleines Kind, das sprechen lernt: „Nane ham!“, geben wir ihm die Banane und freuen uns, dass es sprachlich mitteilen kann, was es möchte. Mit der Zeit lernt das Kind an unserem Vorbild alle Laute richtig zu sprechen, ganze und kompliziertere Sätze zu bilden. So ähnlich läuft auch der zweite Spracherwerb, der Schriftspracherwerb, ab. Erst schreibt das Kind nur die Laute eines Wortes auf, die es hört. Durch gezielte Hörübungen werden es immer mehr Laute und das Kind kann sich nun auch schriftsprachlich mitteilen und wir freuen uns, dass wir verstehen können, was das Kind auf den Einkaufzettel schreibt: 2 SiToNEN 1 AFL <2 Zitronen 1 Apfel>. Später im Schriftsprachentwicklungsprozess schreibt das Kind Sätze und dann Texte. Diesen Entwicklungsstufen entsprechend ist das Modell der Rechtschreibwerkstatt von Norbert Sommer-Stumpenhorst aufgebaut:
In diesem Modell gibt es drei Lernebenen:
- Lautebene
- Wortebene
- Kontextebene (Satzebene)
Auf jeder Lernebene durchläuft das Kind qualitative Entwicklungsstufen:
- Grundprinzipien
- Lautebene: Schreib wie du sprichst, wenn du deutlich und hochdeutsch sprichst;
- Wortebene: Schreib den Wortstamm über alle Ableitungen und Umformungen hinweg gleich;
- Kontextebene: Gliedere einen Text so, dass der Leser möglichst schnell versteht, was du sagen willst
- Folgen: Auf jeder Lernebene müssen bestimmte Abfolgen berücksichtigt werden
- Lautebene: Buchstabenfolgen
- Wortebene: Vorsilbe, Wortstamm, Endungen
- Kontextebene (Satzebene): Subjekt, Prädikat, Objekt
- Besonderheiten und Ausnahmen
Daraus ergeben sich die einzelnen Lernbereiche, die jeweils einer Lernebene und qualitativen Entwicklungsstufe zugeordnet werden können:
Quelle: http://www.rechtschreib-werkstatt.de
Durch das gezielte Training in der von Norbert Sommer-Stumpenhorst konzipierten Rechtschreibwerkstatt in Form eines Hauses durchläuft das Kind diese Lernbereiche in Form von Zimmern. In jedem Zimmer lernt es neue Qualitäten des Richtigschreibens. Es lernt auch schwierige Buchstabenkombinationen zu hören, lernt Phänomene kennen wie zum Beispiel, dass sich hinter einem gehörten a am Ende des Wortes häufig ein –er versteckt. So wird aus Muta > Muter. Sicher ist das Wort noch nicht richtig geschrieben. Die Konsonantenverdopplung wird im nächsten Zimmer gelernt und dann stimmt das Wort Mutter. Im nächsten Geschoss der Rechtschreibwerkstatt wird auf Wortebene gearbeitet. Hier geht es um die Wortarten (Großschreibung von Namenwörtern), die Wortumformungen (Wald, Wälder) und Wortzusammensetzungen (Vor- und Nachsilben), später dann auf Satzebene um Satzzeichen und Wörter im gesamten Satzkontext.
In den jahrgangsgemischten Lerngruppen bietet dieses Konzept die Möglichkeit, dass jedes Kind gemäß seiner Entwicklungsstufe passgenau, individuell und selbstständig trainieren kann. Durch Wort-Bildtests und später Diagnosediktate ist auch für Schüler und Eltern transparent feststellbar, welcher Übungsbereich bereits beherrscht wird und wo der Übungsweg weiter gehen muss. Die klare und wiederkehrende Struktur der Übungen ermöglicht das selbstständige Arbeiten und Kontrollieren. Erlernte Methoden (Markieren, Abschreiben, Protokollieren etc.) werden in den weiterführenden Rechtschreibzimmern aufgegriffen und weitergeführt.
Die Kinder lernen mit einem Modellwortschatz, der ebenfalls nach oben beschriebenen Prinzipien aufgebaut ist.
Seit Anfang des Schuljahres 2006 / 2007 wird das Rechtschreibtrainingkonzept an der Westerheideschule angewandt. Im Erstlese- und Schreibprozess bietet es konzeptionell eine gute Ergänzung zu den Montessorimaterialien. Auch diese sind so aufgebaut, dass sie den Entwicklungsstufen des Kindes entsprechen. Somit können wir ein Konzept anbieten, das selbstständiges, individualisiertes und zielbezogenes Lesen-, Schreiben- und Rechtschreibenlernen ermöglicht. Auch in den weiterführenden Klassen wird mit dieser, den Schülern bis dahin bekannten Methode, Rechtschreibtraining betrieben und die Fortschritte dokumentiert. Anhand von regelmäßig durchgeführter Diagnose können individuelle Lernzuwächse in Diagrammen dokumentiert und über Klassenstufen hinweg anhand von Lernentwicklungskurven nachvollzogen werden.
Weitergehende Informationen unter: http://www.rechtschreib-werkstatt.de

